Kann Basel Zukunft? Yes we can

Politik ist ein hartes Geschäft. Das wissen alle, die sich in exponierten Ämtern befinden. Und eine Wahlniederlage ist sehr bitter. Deshalb ist es Elisabeth Ackermann hoch anzurechnen, dass sie den Weg frei gemacht hat für einen dynamischen 2. Wahlgang.

Dieser wird einer der spannendsten, den Basel seit vielen Jahren erleben wird. Die Personen sind seit letzter Woche gesetzt. Es wird eine „Richtungswahl“. Doch was heisst das? Die Grundsatzfrage ist: in welche Richtung soll sich Basel in den nächsten Jahren entwickeln? Das ist die zentrale Wahlfrage.

Basel ist ein Stadtkanton mit einer vielfältigen, gut gebildeten Bevölkerung, mit globalen Unternehmen, vielen start ups und innovativen KMU –Firmen, mit hervorragenden Bildungs- und Wissenschaftsinstitutionen. Wir sind ein internationaler Architekturhotspot und haben eine lebendige Kultur- und Clubszene, die jetzt unbedingt unterstützt werden muss. Das sind unsere Stärken.

Viele haben sich darin bequem eingerichtet. Doch diese Zeit ist vorbei. Für eine gute Zukunft hat jetzt höchste Priorität, dass wir Basel „klimafit“ und klimaneutral machen. Das will auch die Bevölkerung, so hat sie den neuen Grossen Rat zusammengesetzt. Wir haben ein Zeitfenster von etwa 10 Jahren. Bis dann muss unser CO2-Ausstoss zumindest halbiert sein, um die Klimaziele noch rechtzeitig erreichen. Gleichzeitig müssen alle Quartiere so ‚klimafest‘ sein, dass ein Leben mit Hitzetagen bis 40 Grad ausgehalten werden kann.

Dazu braucht es eine Strategie mit aufeinander abgestimmten und klug gestaffelten Massnahmen. Unser Vorbild sollte Kopenhagen sein (auch wenn die Stadt 10x grösser ist). Kopenhagen hat sich vor 15 Jahren das Ziel gesetzt, bis 2025 die Klimaziele zu erreichen. Sie sind auf Kurs im Verkehr, beim Bauen und Wohnen, in der Abfallbewirtschaftung und bei der Energie. Heute kommen 70% der Pendler aus der Umgebung mit dem E-Bike (auf Velo-Schnellstrassen) zur Arbeit. Viele Plätze wurden entsiegelt und mit Bäumen und Pflanzen zu Schattenoasen umgenutzt. Zur Kühlung gibt es überall Wasserbecken, gespiesen durch gesammeltes Regenwasser. Viele Dächer und Hausfassaden sind begrünt. Wer mit einem Benziner in die Stadt fährt, zahlt doppelt so viel für einen Parkplatz wie ein E-Auto. An jeder Ecke stehen Zapfsäulen.

Wenn Basel will, dann hat es beste Voraussetzungen, um es Kopenhagen in angepasster Form nachzumachen und damit die erste klimaneutrale Stadt der Schweiz zu werden. So wie wir das in der Vergangenheit mit der konstruktiven Drogen- und Migrationspolitik vorgemacht haben. Wir haben alles, was es dafür braucht: viele kluge Menschen, ein erfolgreiches Stromspar-Modell mit Ökostrom, das ausgebaut werden kann. Es gibt freiwerdende Industrieareale, die das Potential für klimaneutrale Quartiere haben, wo man bezahlbar wohnen und arbeiten wird mit grünen Freiflächen. Wir haben Firmen, welche die notwendige „Anbauschlacht“ mit Solar- und Fotovoltaik stemmen, und clevere Handwerker, welche die Begrünung der Quartiere und Gebäudesanierungen umsetzen können. Wir haben Fachhochschulen, die neue Recyclingmethoden erforschen, mit interessierten Firmen realisieren und zu Kreislaufwirtschaftsprozessen entwickeln können. Dies wird viel Arbeit und Jobs auslösen und zwar nicht nur für „High Potentials“ sondern auch für Facharbeiter und das Gewerbe.

Um dies zu erreichen, braucht es aber eine klare politische Strategie, Motivation, Tempo und eine Regierung mit Teamspirit, die zusammenarbeitet und nicht in „Departement-Silos“ agiert. Diese Klimaschutz-Strategie zu steuern, die entsprechenden Kontakte lokal, national und international herzustellen, die Bevölkerung, Firmen und Investoren einzubeziehen und bürokratische Hürden abzubauen – DAS ist der Mehrwert eines Regierungspräsidiums.

Basel braucht Aufbruch und Teamspirit, keine Bedenkenträger-Mentalität, dann wird vieles möglich. Dafür braucht es den Richtungsentscheid.

 

BaZ Kolumne vom 02.11.20