„Traue keinem über 30“

 

In meiner Jugend hiess es: „Traue keinem über 30“. Das Problem war: wir wurden in rasantem Tempo 30 Jahre alt und gehörten dann schon zum alten Eisen. Der Trend zum Jugendwahn war geboren und wirkt bis heute nach. Dabei wollten wir alles anders machen als unsere Eltern. Spontan lieben, alternativ wohnen, uns von starren Rollenbildern emanzipieren, gleichberechtigte Partnerschaften haben, arbeiten, aber auch leben und die Umwelt schützen: „Jute statt Plastik“ war damals ein Slogan. Wir hatten für das Meiste beste Voraussetzungen: die Pille, eine gute Ausbildung dank der Bildungsexpansion und eine florierende  Wirtschaft. Vieles davon konnten wir umsetzen. Aber das mit der Umwelt ist gründlich in die Hose gegangen.

Warum eigentlich?

DIE Jugend gibt es ebenso wenig wie DIE Alten, DIE Frauen oder DIE Männer. In unserer jugendlichen Arroganz glaubten wir, alle sehen die Welt so wie wir. Wir waren eine Minderheit. Das haben viele Abstimmungen zu  wichtigen Umwelt- und Energiethemen gezeigt. Die Meisten sind abgelehnt worden.

Auch Aktivistinnen landen beim Älterwerden im Hamsterrad des Alltags, wo Beruf und Familie die Rushhour des Lebens dominieren.

Die Oekobewegung der 70er und 80er Jahre hatte ein wenig attraktives «Körnlipicker-Image». Es gelang ihr nie, Konsumverzicht zum coolen Lifestyle zu machen oder eine moderne Ästhetik eines ‚reduce to the max‘ zu kreieren, jenseits der Bauernhofidylle. Ob die Anliegen einer Bewegung mehrheitsfähig werden, hängt nicht nur von der Zahl der engagierten Menschen ab, sondern ganz entscheidend davon, ob sie die kulturellen Werte und Vorstellungen einer Gesellschaft prägen kann. Erst dann reagieren institutionelle Politik und  Wirtschaft sowie die Mehrheit der Menschen. Moralische Appelle bringen wenig.

Ob das der Klimajugend von heute gelingt? Ich hoffe es.